Archive for Literatur

Herbst 2018, Konzertreihe: Die Leidenschaft des Reisens | La pasión de viajar

„Es ist ein Treiben in mir …“ 

(Alexander von Humboldt)

 

 

Reise als Lebensspender, als Sinnbild für intellektuelle Entwicklung, als Symbol für Forschungsgeist, als Wegbereiter für den Fortschritt. Die Lust des Entdeckens – eine Leidenschaft, die in der heutigen globalen Gesellschaft aktueller ist denn je. Gemeinsam mit vier großen Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts aus Deutschland, Spanien und Russland, die die Welt mit ihren Passionen und Visionen bewegt und verändert haben, führen wir Sie auf eine großartige und inspirierende musikalische Reise!

Im Programm Werke von Rodriges Martin, Mendelssohn, Menotti, Rachmaninov u.a.


 

 

José Clavijo y Fajardo stammte aus Teguise auf Lanzarote, ging nach Madrid und machte Karriere als Archivar des Königs. Zu seinem Freundeskreis gehörten einige heute berühmte Schriftsteller oder freie Denker wie Voltaire. Auch sprach er die Empfehlung am spanischen Hof für den jungen Alexander von Humboldt aus.

„Ich habe keine Angst vor dem Tod, schließlich bin ich auf deutschen Bühnen schon oft genug gestorben.“ 

 

(José Clavijo y Fajardo)

Eines seiner Bücher hieß „Der Umgang mit der Eifersucht“. Als absoluter Frauenheld sollte er das aber noch höchstpersönlich kennenlernen. Dem Jóse Clavijo wurde später eine dieser Damengeschichten zum Verhängnis, denn er gab ein Heiratsversprechen der Schwester des berühmten Beaumarchais aber brach diese Beziehung ab. Daraufhin forderte Beaumarchais Clavijo auf zu heiraten oder sich einem Duell mit ihm zu stellen. Clavijo lehnte beides ab. Johann Wolfgang von Goethe machte diese Skandalgeschichte unvergessen. Innerhalb acht Tagen entstand ein Theaterstück „Clavigo“. In diesem Drama reflektierte Goethe insgeheim auch seinen eigenen Treuebruch gegenüber Friederike Brion.


 

 

Alexander von Humboldt – Naturforscher, Universalgenie und Kosmopolit, Gelehrter und Mäzen:

„Es ist ein Treiben in mir, dass ich oft denke, ich verliere mein bisschen Verstand. Und doch ist dies Treiben notwendig, um rastlos nach guten Zwecken hinzuwirken.“ 

 

(Aus dem Brief an Wilhelm Gabriel Wegener, Hamburg, 23. September 1790)

Nach sechsjähriger Vorbereitungszeit eröffnet sich dem Humboldt und seinem treuen Freund, dem Franzosen Aimé Bonpland, die Möglichkeit, Spaniens Kolonien in Süd- und Mittelamerika zu bereisen. Als erste Nicht-Spanier erhalten die beiden Forscher die Erlaubnis des spanischen Königs die Expedition nach Lateinamerika zu unternehmen. Ob stürmisches Unwetter, oder wilde Tiere – nichts konnte den jungen preußischen Forschungsreisenden Alexander von Humboldt davon abhalten, seine Studien über die Zusammenhänge der Natur voranzutreiben.

 

 


Agustin de Betancourt y Molina, einer der wohl wichtigsten spanischen Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts, war auch wie Clavijo auf kanarischen Inseln auf Teneriffa geboren.

Angetrieben von seinem Forschergeist und großen Interesse für die Technik, verließ Betancourt die Insel bereits im Alter von zwanzig Jahren. Nach vielen Jahren des erfolgreichen Studierens und Schaffens in Madrid, Paris und Großbritannien reiste Betancourt 1807 auf Einladung von Zar Alexander I. nach Sankt Petersburg, wo er sich in dessen Dienste begab.

Nachdem er zum Marschall der russischen Armee ernannt wurde und auch als Berater für die Abteilung der Kommunikationswege arbeitete, wurde ihm später der Titel eines Inspektors des Instituts für Ingenieurwissenschaften zuteil, bis er zum Direktor der Abteilung für Kommunikationswege aufstieg. Er wirkte aktiv am Wiederaufbau des abgebrannten Moskau mit und arbeitete an verschiedenen technischen und infrastrukturellen Projekten. Unter anderem war er am Bau der Kuppel der 1818 begonnenen Isaakskathedrale in St. Petersburg beteiligt und gilt als einer der ersten Verfasser von Fachliteratur über Maschinen.

 

 


Iwan Aiwasowskij

In Russland ist dieser Maler ein Held, in Europa nahezu unbekannt. Neben Ilja Repin gilt Aiwasowskij als populärster Maler des 19.Jahrhunderts. In Feodossija auf der Krim geboren, Sohn armer armenischer Kaufleute, bemalte er mit den Kohlen des Ofens die weißen Hauswände der kleinen Hafenstadt. Seine Zeichnungen seien einem einflussreichen Bürger der Stadt aufgefallen, der ihn förderte. Mit sechzehn Jahren ging er nach Sankt Petersburg auf die Akademie, stieg auf, bekam schnelle und große Anerkennung, Förderung des Zaren, die Reisen bezahlt und lernte wichtige Leute kennen, darunter auch Puschkin. In Venedig traf Aiwasowskij auf den vierzig Jahre älteren, britischen Maler William Turner, der die Werke von Aiwasowskij in Ausstellungen in Italien, London und Paris gesehen hatte und begeistert war.

Gigantisch gewaltige Wellen, die ganze Kraft der Natur, martialische Seeschlachten und strahlende Sonnenuntergänge im Großformat sind mit großer Intensität und Unmittelbarkeit auf seinen Gemälden festgehalten. Aiwasowskis Bilder erzählen in einer großen malerischen Geste von der Erhabenheit der Elemente und der Winzigkeit des Menschen, angesichts der Übermacht der Natur. Aiwasowskijs Reiselust war enorm – es gab kaum ein Meer, welches Aiwasowskij nicht gesehen hätte. Mit fast achtzig Jahren begibt sich der Marinist nach Amerika um die Niagarafälle erleben und malen zu können.

 

 


Eine musikalische Reise mit:

  • Ciró Miró (Sprecher, Spanien/Berlin),
  • Iya Zhmaeva (Violine, Spanien/Lanzarote),
  • Ayoze Nicolas Rodriguez Martin (Klarinette, Spanien/Lanzarote)
  • Natalija Nikolayeva (Klavier, Berlin)

 

 

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06.06.2018 „Lebt wohl, ihr fessellose Fluten!“ | Puschkin und die Musik

Puschkin und die Musik am 06.06.2018 –

DRKI: Das Russische Zentrum – Deutsch-Russisches Kulturinstitut e.V. / Немецко-Русский Институт Культуры (Zittauer Str. 29, 01099 Dresden)

Пушкин и Музыка «Прощай, свободная стихия!» „Lebt wohlihr fessellose Fluten!“ Puschkin und die Musik Ein Gesprächskonzert mit Natalija Nikolayeva (Berlin), Klavier

 

 

„Из наслаждений жизни одной любви музыка уступает, но и любовь – мелодия“ (А.С. Пушкин) | „Von den Freuden des Lebens nur der Liebe wird die Musik weichen, aber die Liebe ist auch eine Melodie“ (A. Puschkin).

Als begabter junger Maler wurde Ivan Aiwasowski auf der akademischen Ausstellung in Petersburg 1836 Puschkin vorgestellt. Sein ganzes Leben lang verehrte Aiwasowski den russischen Dichter und malte ihn viele Male an der Küste des Meeres. 1877 entstand eines der berühmtesten Puschkin-Bilder „Puschkins Abschied vom schwarzen Meer“, das Aiwasowski gemeinsam mit Ilja Repin malte. So wie Aiwasowski in seinen Gemälden sich der Thematik des Meeres wandte, griff auch Puschkin zu diesem romantischen Ideal der Freiheit zu. Das Gedicht „An das Meer“ ist ein Gespräch des Dichters mit dem Meer. Ein Abschied. Eine philosophische Elegie, die am Hang vom brausenden Meer stattfindet. Für Puschkin ist das Meer – die Welt der menschlichen Seele. Deswegen so anziehend, faszinierend, geheimnisvoll, mal melancholisch, mal heiter. Mit seinen Gedichten, Verserzählungen und Dramen, wie Ruslan und Ludmilla, Boris Godunow, Eugen Onegin oder Pique Dame inspirierte er die großen russischen Komponisten, wie Glinka, Rimskij-Korsakow, Tschaikowsky oder Rachmaninow, sie alle haben sich vor Puschkin verneigt. Lassen Sie sich in die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts, in die Welt der russischen Salons entführen! Für Puschkin war es eine Welt voller Musik, Poesie und Schönheit, voller Oden an enge Freunde. Im Programm erklingen Werke von Michail Glinka, Peter Tschaikowski, Modest Musorgskij, Georgi Sviridov und Sergej Rachmaninov.


Programm:

1. M. Glinka/M. Balakirew: «Die Lerche» (Klaviertranskription)

2. P. Tschaijkowskij/M-Pletnev: „Trojka – Fahrt“ (November) aus „Die Jahreszeiten“ op.37a Andante maestoso aus „Nussknacker-Suite“;

3. M. Mussorgskij: Promenade, Il vecchio Castello, Baba jaga, Das große Tor von Kiew aus „Bilder einer Ausstellung“

4. G. Sviridov: Schneesturm-Walzer

5. S. Rachmaninov: Préludes: gis-moll op.32 Nr.12 D-Dur op. 23 Nr. 4 g-moll op. 23 Nr 5

 


 

Zur einer schönen alljährlichen Tradition sind auch ihre Gesprächskonzerte. Lassen Sie sich von der Schönheit der Musik, ihrer sehnsüchtigen Grenzenlosigkeit zum Hören, Träumen und Genießen einladen!

10.02.2018 | Espérame! | Жди меня!

CONCIERTO

Espérame!

Canciones y melodías rusas de los tiempos de la revolución y de la guerra

Sábado,  10 de febrero 2018, 21 horas

Convento de Santo Domingo, Villa de Teguise (Lanzarote)

Elisa Martell, voz

Natalija Nikolayeva, piano

Ayoze Rodríguez Martin, clarinete

Con textos en español / alemán / ruso

Ayuntamiento de Teguise

Sociedad para la Promoción Cultural de Canarias en Europa

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Ferruccio Busoni: Über die Anforderungen an den Pianisten

Über die Anforderungen an den Pianisten

 

 

 

 

 


Nein, Technik ist nicht und wird nie das Alpha und Omega beim Klavierspielen sein, ebenso wenig bei irgendeiner anderen Kunst. Trotzdem predige ich freilich meinen Schülern: Schafft euch Technik an, und zwar gründliche. Um einen großen Künstler zu machen, müssen mannigfaltige Bedingungen erfüllt werden, und weil dazu nur Wenige imstande sind, deshalb ist ein wirklicher Genius eine solche Seltenheit.

Technik, die an und für sich vollkommen ist, finden wir in so manchem wohl konstruierten Pianola. Dennoch muss ein großer Pianist zunächst ein großer Techniker sein, aber Technik, die ja nur einen Teil von der Kunst des Pianisten ausmacht, liegt nicht bloß in Fingern und Handgelenken, oder in Kraft und Ausdauer. Die größere Technik hat ihren Sitz im Gehirn, sie setzt sich aus Geometrie, Abschätzung der Distanzen und weiser Anordnung zusammen. Aber auch damit ist nur erst ein Anfang gemacht, denn zur wirklichen Technik gehört  auch der Anschlag und ganz besonders der Gebrauch der Pedale.

Zum großen Künstler gehört ferner eine ungewöhnliche Intelligenz, Kultur, eine umfassende Erziehung in allen musikalischen und literarischen Dingen und in den Fragen des menschlichen Daseins. Auch Charakter muss der Künstler haben. Fehlt eins von diesen Erfordernissen, so wird die Lücke in jeder Phrase offenbar, die er vorträgt. Dann kommt noch Gefühl, Temperament, Phantasie, Poesie und schließlich jener persönliche Magnetismus hinzu, der Einen manchmal instand setzt, viertausend fremde, durch Zufall zusammengebrachte Menschen in einem und denselben Seelenzustand zu versetzen. Danach ist auch noch Geistesgegenwart zu verlangen, Herrschaft über Stimmungen unter irritierenden Begleitumständen, die Fähigkeit des Publikums Aufmerksamkeit zu erregen, und endlich in „psychologischen Momenten“ das Publikum zu vergessen.

Soll man das Gefühl für Form, für Still, die Tugend guten Geschmacks und Originalität hinzufügen?  Wie könnte man je zu Ende kommen, wenn man alles Erforderliche aufzählen wollte? Vor allem aber möge man eine Forderung sich gegenwärtig halten:

“ … Wem ein Leben nicht durch die Seele gezogen, der wird die Sprache der Kunst nicht meistern“

(Ferruccio Busoni)

Repräsentant der Musik…

Repräsentant der Musik


… Das Klavier sei, recht gesehen, der direkte und souveräne Repräsentant der Musik selbst in ihrer Geistigkeit, und darum müsse man es erlernen. Aber Klavierunterricht sollte nicht, oder nicht wesentlich und nicht zuerst und zuletzt, Unterricht in einer speziellen Fertigkeit sein, sondern Unterricht in der – „Musik!“ 

(Thomas Mann, „Doktor Faustus“)